Peter Bigelmaier, Head of Office Letting bei Colliers International Deutschland: „Das Quartalsergebnis stimmt zunächst einmal sehr positiv. Bei der detaillierten Analyse muss allerdings festgehalten werden, dass vor allem zwei sehr große Eigennutzerabschlüsse für das deutliche Plus verantwortlich waren. Die Freie und Hansestadt Hamburg erwarb zu Anfang des Jahres einen Teil des Axel-Springer-Komplexes und wird mit dem Bezirksamt Mitte 2016 rund 32.000 Quadratmeter Bürofläche beziehen. Ebenfalls 32.000 Quadratmeter umfasst der Abschluss der Deutschen Vermögensberatung, die eine seit 2011 leer stehende Büroimmobilie im Frankfurter Bahnhofsviertel erwarb und ebenfalls 2016 beziehen möchte. Ohne Berücksichtigung der Eigennutzer legte der reine Vermietungsumsatz im Vergleich zum Vorjahr lediglich um rund zwei Prozent zu.“
Flächenumsatz in den Top 7 durchweg im Plus
Inklusive der Eigennutzer legte der Flächenumsatz in allen untersuchten Standorten mindestens sechs Prozent zu. Den größten Zuwachs verbuchte dabei der Büromarkt Stuttgart. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt wurden 69.700 Quadratmeter und damit knapp 23 Prozent mehr Büroflächen angemietet als im Vorjahr. Vier Mietvertragsabschlüsse über 5.000 Quadratmeter, darunter, jener von Robert Bosch über rund 9.300 Quadratmeter im Zeppelin-Carré, waren dafür maßgeblich verantwortlich. Ebenfalls deutlich bergauf ging es in Hamburg. Ein Quartalsergebnis von 123.000 Quadratmeter Flächenumsatz bedeutete eine Zunahme um über 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings lohnt in der Hansestadt ein Blick auf den reinen Vermietungsumsatz ohne die Eigennutzer. Dort steht ein Minus von acht Prozent und damit eine fortwährende Zurückhaltung der Büromieter vor allem im Großflächensegment zu Buche.München verbuchte in den ersten drei Monaten des Jahres eine Steigerung des Flächenumsatzes um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 180.600 Quadratmeter. Sowohl Mieter als auch Eigennutzer zeigten sich an der Isarmetropole anmietungsfreudiger als vor 12 Monaten. In keiner anderen Stadt wurden bislang mehr Büroflächen angemietet, wozu unter anderen sieben Mietvertragsabschlüsse über 5.000 Quadratmeter beitrugen. Zu den größten Abschlüssen zählten beispielsweise die Anmietung der Landeshauptstadt München von mehr als 10.000 Quadratmeter Bürofläche in der Landsberger Straße sowie der Mietvertrag der Anwaltskanzlei Heisse Kursawe Eversheds über rund 5.000 Quadratmeter in der Innenstadt.
Berlin kam München mit insgesamt rund 133.100 Quadratmeter Büroflächenumsatz und einem Plus von gut neun Prozent noch am nächsten. Die Anmietung eines Hochhauses der GSW durch Rocket Internet im Stadtteil Kreuzberg über etwa 22.000 Quadratmeter Bürofläche stellte im ersten Quartal 2015 den größten Mietvertragsabschluss eines Nicht-Eigennutzers in den Top 7 dar.
Andreas Trumpp MRICS, Head of Research bei Colliers International Deutschland: „Ähnlich wie in Hamburg war der Büromarkt Frankfurt zweigeteilt. Der Flächenumsatz legte zwar in Summe um über sechs Prozent auf 87.000 Quadratmeter zu. Ausschlaggebend und marktprägend war dafür aber allein der einzige Großdeal des Eigennutzers Deutsche Vermögensberatung, ohne dessen Berücksichtigung es um rund ein Drittel nach unten gegangen wäre. Positiv stimmen allerdings die gestiegenen Vermietungsvolumina unter 500 sowie zwischen 2.000 und 5.000 Quadratmeter, die deutlich über dem Vorjahr lagen.“
Am Rhein ging es im Gleichklang bergauf. Sowohl in Düsseldorf als auch in Köln legte der Flächenumsatz im Vergleich zum Vorjahr um jeweils acht Prozent auf 73.500 respektive 66.000 Quadratmeter zu. Während in Düsseldorf nur ein Mietvertrag von T-Systems die Marke von 5.000 Quadratmeter überschritt, waren es rheinaufwärts gleich vier: der Neubau der Bank für Sozialwirtschaft umfasst rund 8.000 Quadratmeter, das Jobcenter Köln mietete knapp 7.600 Quadratmeter, die Internationale Filmschule/FH Köln über 6.200 Quadratmeter und DLA Piper etwa 5.300 Quadratmeter neu an.